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Idyllisches Moseltal – was Du gesehen haben musst

Das Moseltal mit seiner hügeligen Landschaft, den vielen Weinreben und dem glitzernden
Fluss in allen Grüntönen, hat es mir schon vor ein paar Jahren angetan. Kleine Ortschaften
mit gemütlichen Fachwerkhäusern reihen sich nebeneinander, jedes Dorf, nahezu jede Familie
hat einen eigenen Weinberg. 

Für dieses Jahr steht es als heimisches Ziel auf meiner Wunschliste – ich will wieder an die
Mosel. Kurzentschlossen plane ich ein Teilstück des Moseltals mit dem Fahrrad zu erkunden.
Das Wetter ist auf meiner Seite, die Sonne scheint, und laut Wetterbericht sieht es nach ein
paar wundervollen Tagen aus. Mein Gepäck ist minimalistisch. Spätestens nach meinen
langen Reisen einschließlich des Sabbaticals, habe ich wertschätzen gelernt, mit wenig
Gepäck unterwegs zu sein. Es ist so viel einfacher, leichter und ein weiterer positiver
Nebeneffekt: ich bin schneller. Ein großartiges Gefühl!

Es ist Mittwoch, mein Wecker weckt mich mit fröhlichem Vogelgezwitscher um 7 Uhr, so
dass ich genug Zeit für meine Morgenroutine und ein ausgiebiges Frühstück habe. Meine
Morgenroutine besteht aus 15 Minuten Yoga und meine Ziele aufzuschreiben – die großen,
verrückten Ideen und Ziele. Dafür nehme ich mir mindestens 1 Stunde Zeit. Ich liebe dieses
Ritual. Es erdet mich und hilft mir, mich auf meine Ziele zu fokussieren. 11 Uhr Abfahrt mit
meinem Tourenrad – kein E-Bike (!) – von Bonn Richtung Mosel mit kleinem Gepäck: eine
Sattelasche mit 20 l Volumen. 
Mein erstes Etappenziel ist Kastellaun. Bis dahin sind es 112 km, und wie ich erst später
feststellen werde, mit vielen Höhenmetern – 1.178 m (!). 
Kastellaun liegt sehr praktisch ….

Tipp!

Meine Strecke habe ich mit Komoot geplant. Es ist ein hervorragendes Tool, um Rad-, Lauf-
und Wanderstrecken zu planen. Mit der Bezahlversion „Welt“ kann ich alle Strecken auch
offline nutzen. Perfekt für meine Zwecke.

Meine Route führt mich entlang des Rheins. Bald lasse ich den Petersberg und den
Drachenfels links liegen und fahre weiter vorbei an Rolandseck, Remagen bis nach
Andernach. Obwohl ich die Strecke gut kenne, fängt mich die Schönheit der
abwechslungsreichen Landschaft immer aufs Neue ein. Ich mache immer wieder Halt, um die
Momente für Euch mit meiner Kamera festzuhalten. 
Meine erste Pause mache ich an der Burg Namedy. Sie liegt direkt an meiner Radstrecke,
daher biege ich nur kurz ab und lasse mich von den alten Gemäuern und dem wunderschönen
Innenhof verzaubern. Wenn Ihr in der Nähe seid, schaut sie Euch an. Die Burg aus dem 14.
Jahrhundert hat ihren ganz eigenen Charme. Falls Ihr sie auch innen besichtigen wollt,
kontaktiert vorher die Burg, da sie nicht grundsätzlich für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Hier der Link für Euch: https://www.burg-namedy.com

Ich bin jetzt quer übers Ländchen vom Rhein zur Mosel gefahren und erreiche Kobern-
Gondorf, mein erster Ort an der Mosel und folge weiter dem Radweg entlang des Flusses.
Historische Gebäude säumen meinen Weg. Besonders eindrucksvoll ist das rot-weiße
Fachwerkhaus mit seinen blau-weißen Fensterläden, durch welches mein Radweg führt. Ja,
richtig gelesen! Ich fahre durch das alte Bauwerk. Auf meiner linken Seite schlängelt sich die
Mosel in feinen Windungen durch das Tal. In der Nachmittagssonne erinnert mich die Mosel
an einen edlen Smaragd, der in allen Grüntönen schillert und glitzert. Wunderschön!

In Treis-Karden angekommen, habe ich nur noch 23 km Radstrecke vor mir. Allerdings mit
7% Steigung! Ich verlasse die Mosel und pirsche mich mit meinem Rad ins Landesinnere und
verdiene mir mit dem Anstieg mein Abendessen. Nach etwa 6 Stunden reiner Fahrzeit komme
ich abends völlig erschöpft aber sehr zufrieden in Kastellaun an. Die Tour war eine
Herausforderung, doch ich habe sie geschafft! Ein erhebendes Gefühl. 
Ich habe mir ein Zimmer im Landgasthof Altes Stadttor reserviert. Es ist klein und fein und
hat für mich den richtigen Mix aus altem und neuem Flair. Zur Entspannung gönne ich mir
eine Badewanne und stelle mich wieder her. Dann probiere ich das Abendessen. Ich nehme
am liebsten von allem und meinem Wunsch wird entsprochen: ich bekomme meine Suppe,
Hauptgericht und Nachtisch als Seniorenportion. Na toll – als Seniorin fühle ich mich zwar
nicht, aber ich bin wirklich happy, dass ich von jedem Etwas genießen kann. Alles ist
hausgemacht, inklusive das selbstgebackene Brot, welches mit einem Kräuteraufstrich vor
dem Essen gereicht wurde. Als Vorspeise habe ich die Hunsrücker Festtagssupee vom Rind
probiert. Unglaublich gut und inklusive der Markklößchen ebenfalls hausgemacht. Als
Hauptspeise hatte es mir der Hunsrücker Flammkäs angetan und zum Nachtisch gab es
hausgemachtes Himbeereis mit kandierten Walnüssen. Alles sehr lecker und sehr zu
empfehlen! Dazu habe ich einen herrlichen Grauburgunder getrunken und bin satt und
zufrieden zu Bett gegangen.
Die Nacht war erholsam und anstrengend zugleich. Ich habe die körperliche Anstrengung
gespürt, war müde und gleichzeitig aufgekratzt. Immerhin hatte ich eine sehr coole Tour sehr
gut bewältigt.
Morgens habe ich mir Zeit gelassen, habe in meinem Zimmer meine Morgenroutine
absolviert. Gerade die Yoga-Übungen haben meinem Körper und meinem Geist gutgetan.
Für diesen Tag hatte ich mir weniger Kilometer und weniger Höhenmeter vorgenommen,
stattdessen ein paar Sightseeing Punkte, die ich mir unbedingt anschauen wollte.

Erster Stopp: die Geierlay Hängeseilbrücke, die in 2015 gebaut wurde und die beiden
Ortschaften Sosberg und Mörsfeld miteinander verbindet. 
In Sosberg gibt es einen Parkplatz, wo ihr Euer Auto abstellen könnt. Von dort aus ist es etwa
1 km bis zur Hängeseilbrücke. Am Anfang des Weges ist eine Schranke, die du per Fahrrad
oder zu Fuß passieren kannst.
Ich habe Glück und komme noch gerade von Sosberg aus auf die Brücke. Unglaublich schön.
Der Blick von der Brücke ins rheinland-pfälzische Panorama ist fantastisch. Da es sich bei der
Brücke um eine Hängeseilbrücke handelt, schwankt sie leicht unter den Füßen. Doch keine
Angst, sie ist sicher gebaut. Corona-bedingt gibt es ein paar Regeln, die einzuhalten sind, wie
z. B. nur mit Maske auf die Brücke und nur in eine Wegrichtung. Mehr Infos zur Brücke und
Tipps für die Besichtigung findet Ihr hier: (Link: https://geierlay.de )
Meine Stippvisite zur Geierlay Hängeseilbrücke hat sich definitiv gelohnt. Es gibt in der
Umgebung auch einige Wanderwege, so dass sich dieses technische Kunstwerk mit einer
Wanderung kombinieren lässt. Für ein entspanntes, kurzes Wanderglück empfiehlt sich
beispielsweise der Rundwanderweg von 6,4 km, der am S-Bahnhof in Mörsdorf startet. Infos

hierzu findest Du hier!

Nachdem ich den Ausblick und die Hängeseilbrücke ausreichend bewundert habe, schwinge
ich mich wieder auf mein Rad und setze meine Fahrt fort. Mein nächstes Etappenziel ist
Treis-Karden. Ihr erinnert euch, ich war auf meinem Hinweg dort, bin jedoch nur
durchgefahren. Dieses Mal möchte ich dort übernachten. 
Auf dem Weg nach Treis-Karden liegt mein nächstes Sightseeing-Ziel, die Moselschleife.
Hier schlängelt sich die Mosel in einer besonders schmalen Kurve durch die Weinberge. Ich
bin gespannt. Das Wetter ist ein Traum. Nur vereinzelte, weiße Schleierwolken zieren den
azurblauen Himmel. Mich durchströmt ein Glücksgefühl, dass ich hier bin und diese Tour
mache. Für heute habe ich mir insgesamt knapp 80 km vorgenommen, wobei ich die einzigen
härteren Höhenmeter direkt am Anfang, auf dem Weg zur Geierlay-Brücke hatte. Ab dort
ging es nur noch leicht hügelig weiter, jedoch meistens bergab.

Mein Geheimtipp für dich: das Klostercafé Beilstein

Kurz bevor ich in Beilstein wieder auf den Moselradweg stoße, entdecke ich auf der linken
Seite ein Kloster und eine Restaurant-Terrasse, die einen fantastischen Blick auf die Mosel
verspricht. Mit quietschenden Reifen ändere ich meine Richtung und fahre kurzerhand zum
Restaurant. Wow, was für eine Aussicht. Ich bin beeindruckt und sofort verliebt. Das
wundervolle Panorama der smaragdgrünen Mosel, die sich durch die Weinberge zieht,
gesäumt von kleinen, gemütlichen Fachwerkhäusern. Ich werde sehr freundlich empfangen
und bekomme sogar den besten Platz auf der Terrasse – direkt an der alten Mauer, so dass ich
den perfekten Ausblick habe. Ich entscheide mich für Kaffee und den hausgemachten
Käsekuchen. Sehr gute Wahl und sehr zu empfehlen. 
Die Herzlichkeit, mit der ich dort empfangen wurde und die wunderbare Lage des
Restaurants, haben mich begeistert. Daher empfehle ich es sehr gerne weiter. Mehr Infos
findest Du hier!

Gestärkt setze ich meine Fahrt fort, vorbei an den vielen, kleinen Moseldörfern mit ihrer
idyllischen Lage am Fluß. Nachmittags erreiche ich Bremm. Dies ist der Ausgangspunkt für
meine Wanderung, die ich mir vorgenommen habe, um die Moselschleife von oben zu
bewundern.
Ich finde eine sehr nette Frau, bei der ich mein Fahrrad sicher abstellen kann. Schließlich
möchte ich vermeiden, mein Gepäck den Berg mit hoch zu schleppen. Sie gibt mir außerdem
den Tipp, dass ich nicht unbedingt zum Gipfelkreuz des Calmont hoch kraxeln muss, um
einen fantastischen Ausblick auf die Moselschleife zu genießen. Stattdessen gehe ich auf den
Moselhöhenwanderweg und bin bereits nach etwa 15 Minuten dort wo ich sein will – hoch
genug, um die schmale Kurve der Mosel bewundern zu können. Es gibt sogar eine Holzbank,
auf der ich mich erst gemütlich niederlasse, um anschließend ein Fotoshooting zu machen.
Nicht alle Fotos gelingen ;-).

Tipp!

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, um die Moselschleife von oben zu sehen: der
Calmont-Klettersteig, der auf den europaweit höchsten Weinberg führt und der
Höhenwanderweg. Der Klettersteig ist dabei steiler und technisch anspruchsvoller. Als
Kletterhilfen findet Ihr überall Steigeisen, Leitern, Treppen und Drahtseile, um Euch
festzuhalten. Ihr solltet trittsicher sein und stabiles Schuhwerk tragen. Der Höhenwanderweg
ist der etwas einfachere Weg. Ihr könnt auch beide miteinander kombinieren und eine Runde
über Ediger-Eller und Bremm gehen. Hier findet ihr weitere Details zum Calmont-Klettersteig und
zum Höhenwanderweg  Es ist auch recht gut ausgeschildert.

Der Abend rückt näher und ich habe noch einige Kilometer bis Treis-Karden vor mir. Dort
habe ich mir eine sehr nette Unterkunft gebucht, Schlosshotel Petry. Ich laufe vom
Weinberg herunter und radele von Bremm weiter entlang der Mosel. Die Sonne verabschiedet
sich allmählich und taucht die Weinberge und ihre schmucken Häuser in ein romantisches,
warmes Licht. Im Schlosshotel Petry angekommen, freue mich auf eine Dusche und ein gutes
Abendessen. Mein Zimmer ist gemütlich, klein. Wie immer prüfe ich zuallererst die WIFI –
Verbindung. Sie ist auch hier schlecht. Ich bin immer wieder entsetzt wie miserabel unser
Internet hier in Deutschland ist. Selbst in den entlegensten Gegenden von Südamerika, ist es
besser als hier bei uns. Unglaublich!
Nach einer erfrischenden Dusche und der Gewissheit, dass ich mich wieder unter Leute trauen
kann, setze ich mich in den wunderschönen Biergarten des Hotels und bestelle Steak mit
Pfifferlingen und dazu einen außergewöhnlichen Rosé-Wein, der so hell ist, dass er von der
Farbe als Weißwein durchgehen könnte. Ich genieße den Wein, das Essen, meine Pause und
lasse den Tag an mir vorüberziehen. Ich habe so viel gesehen, wunderschöne Natur
bewundert, mit tollen Menschen gesprochen und bin unendlich dankbar dafür, dass ich diese
Tour machen kann. Es ist ein Geschenk!

Am nächsten Tag stehe ich wieder früh auf, praktiziere meine Yogaübungen und schreibe
meine Ziele auf. Ihr erinnert euch? Die großen, verrückten Ziele.
Beim Frühstück schaue ich mir den nächsten Streckenabschnitt an. Treis-Karden hatte ich mir
unter anderem ausgesucht, da es in der Nähe zur Burg Eltz liegt, eine der denkwürdigsten
und berühmtesten Burgen in Deutschland. Diese Burg aus dem 12. Jahrhundert hat sämtliche
Kriege unbeschadet überstanden. Sie hat eine einzigartige Lage – mitten im Eltzer Wald und
dennoch auf einem Fels – und besticht vor allem durch ihre einzigartige Architektur. Burg
Eltz ist das Touristen-Highlight schlechthin. Touristisch hin oder her – sie ist ein Muss und
mein persönliches Highlight in der Eifel. Um zur Burg Eltz zu kommen, gibt es nur einen
Weg und dieser geht bergauf und dann bergab, da die Burg in einem Tal liegt.

Ich checke aus dem Hotel aus und mache mich auf den Weg. Teilweise kann ich nur
Schritttempo und langsamer fahren, da die Berge so steil sind. Doch ich schaffe es. Absteigen
und schieben ist für mich keine Option. Gegen Mittag komme ich dort an. Es sind schon
einige Menschen dort. Allerdings ist es nicht überlaufen. Corona bedingt gibt es auch hier
Regeln, die einzuhalten sind. Daher können weniger Menschen (max. 200) als zuvor in die
Burg. Wenn Ihr die Burg innen besichtigen wollt, rechnet mit Wartezeiten von bis zu 2
Stunden. Es ist sicherlich empfehlenswert schon frühmorgens hier einzutreffen, um weniger
Menschen anzutreffen und geringere Wartezeiten zu haben. Mir war die Innenbesichtigung
dieses Mal nicht wichtig. Es hat mich erfüllt und begeistert, diese Burg aus der Nähe zu sehen
und bewundern zu können. Majestätisch ragen die Burgtürme in den Himmel, mitten im Wald
im Tal liegend. Wunderschön.
Statt wie ich mit dem Fahrrad zur Burg Eltz zu fahren oder mit dem Auto, könnt ihr auch von
Treis-Karden aus dorthin wandern. Es ist eine recht leichte Wanderung von 14 km Länge.
Mehr Infos findet Ihr hier.

Schon jetzt steht für mich fest, dass ich bei meinem nächsten Besuch der Burg Eltz sie auch
mit ihren Schätzen und einmaligen Räumlichkeiten innen besichtigen werde.

Inzwischen ist früher Nachmittag, und ich entscheide mich mit ein paar Pausen von hier
zurück nach Hause zu fahren. Für heute sind dies etwa 110 km, die ich bis Bonn zurücklegen
darf. Es ist trocken und eine angenehme Fahrt.
Auf meinem Rückweg fahre ich durch Kobern. Wer mich kennt, weiß dass ich lieber weniger
als mehr plane und mich gerne auf das, was da so kommt, einlasse. Daher war ich überrascht
von diesem kleinen, zauberhaften Ort mit seinen urigen Fachwerkhäusern, dem romantischen
Marktplatz mit seinen gemütlichen Cafés. Obwohl ich noch einige Kilometer vor mir hatte,
habe ich hier angehalten, um den Charme dieses Örtchens zu genießen und einzufangen. Der
Marktplatz hat mit seinem Tatzelwurm-Brunnen ein besonderes Flair. Der Tatzelwurm ist ein
Fabelwesen, das der Legende nach – halb Löwe, halb Lindwurm – einst versteckt in den
Stollen von Kobern-Gondorf lebte. Es gibt einen sogenannten Tatzelwurmweg, bei dem du in
die Geheimnisse und Wahrheiten von Kobern-Gondorf eingeweiht wirst. Infos dazu findest
du hier
Wenn du Kobern kennst und einen Restaurant- oder Café-Empfehlung hast, hinterlasse sie
gerne in den Kommentaren.
Spät abends treffe ich erschöpft und glücklich zu Hause in Bonn ein.
Es war ein tolles Abenteuer mit dem Fahrrad entlang des Rheins und der Mosel zu radeln –
alleine unterwegs als Frau. Ich bin über mich hinausgewachsen, raus aus meiner Komfortzone
und bin mit großartigen Erlebnissen beschenkt worden.

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